Volleyball-Bundesligist TSV Flacht hat erwartungsgemäß 0:3 gegen Topteam Allianz MTV Stuttgart verloren – in Satz drei stehen die Blaubären völlig neben sich.
Leonberger Zeitung vom 09.02.26 | Jürgen Kemmner
Nach einer Stunde Spielzeit war das schwäbische Derby in der Volleyball-Bundesliga beendet: Der Überflieger der Liga Allianz MTV Stuttgart hatte den Aufsteiger Binder Blaubären TSV Flacht in dessen mit 433 Zuschauern erneut ausverkauften Heckengäusporthalle erwartungsgemäß klar mit 3:0 (25:17, 25:16, 25:9) besiegt.
Die Niederlage schmerzte TSV-Cheftrainer Manuel Hartmann kaum, sie war einkalkuliert gewesen, schließlich spielen die Stuttgarterinnen sportlich und finanziell im Grunde in einer anderen Liga als die Blaubären – allein der Saisonetat beträgt mit 2,5 Millionen Euro das Zehnfache dessen, was der TSV Flacht in seine Spielzeit investiert.
Was aber Manuel Hartmann nur schwer verdauen konnte, war die Leistung, die seine Mannschaft im dritten Satz aufs Parkett gelegt hatte. Mit 9:25 waren die Blaubären in nur 18 Minuten zur Strecke gebracht worden. Dabei hatten sie ganze drei(!) Angriffspunkte erzielt – die übrigen sechs lieferte Spitzenreiter Allianz MTV durch Aufschlagfehler frei Haus, was den Stuttgarter Trainer Konstantin Bitter ziemlich nervte: „Wir haben im gesamten Spiel zu viele direkte Fehler gemacht.“ Ein Schönheitsfehler, mehr nicht. Trainerkollege Hartmann jedenfalls war da schon mehr derangiert und ernüchtert nach der Schnellabfertigung.
„Was mich vor allem geärgert hat“, sagte der 39-Jährige, „war, dass wir mental aufgegeben haben.“ Ohne Mut, ohne Kampf, ohne Willen hatten die Blaubären den letzten Durchgang bestritten und damit das recht ordentliche Geschmacksmuster der Sätze eins und zwei ein Stück verunreinigt, als tröpfle man etwas Essig in einen eigentlich sehr passablen Wein. „Nur drei Angriffspunkte sind zu wenig“, bemerkte Hartmann, die Gesamtbilanz von 40:19 Angriffspunkten zugunsten von Allianz MTV Stuttgart sei „vollkommen normal“.
An den beiden Durchgängen zuvor hatte kaum einer aus dem Lager der Blaubären etwas auszusetzen, erst mit dem Punkt zum 15:14 zogen die Gäste aus Stuttgart in Satz eins davon zum 25:17. Satz zwei war zwar für die TSV-Frauen schon früh verloren (11:19), dennoch versuchten sie weiter zu punkten, was immer wieder gelang. „Phasenweise konnten wir mithalten“, fand Manuel Hartmann, „aber wenn Stuttgart mit dem ersten Ball keine Probleme hat, machen die den Punkt. Dann fehlen uns die Mittel.“ Immerhin: Der Meisterschaftsfavorit konnte nicht allein mit seiner zweiten Garde auftreten, die Stammkräfte waren schon auch gefordert. „Wir haben unsere Pflicht erfüllt“, stellte Allianz-Trainer Bitter nüchtern fest.
Warum die Blaubären ohne erkennbaren Grund im letzten Durchgang so rettungslos im See versanken wie ein Stein, konnte sich auch Leonie Büdenbender nicht erklären, die als wertvollste Spielerin der Gastgeber ausgezeichnet worden war. „Wir waren im Kopf nicht mehr bei uns“, sagte die Libera selbstkritisch, „wir sind hektisch geworden. Aber davor konnten wir die Stuttgarter immer mal wieder ärgern.“ Trotz des leicht dissonanten Schlussakkords konnte Michael Kaiser dem Gesamtevent einiges abgewinnen. „Es war überragend“, sagte der Blaubären-Manager, „die Stimmung war bestens, das Spiel gut anzusehen.“

