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Nervenprobe zum Saisonauftakt: Blaubären spannen Trainer und Fans auf die Folter

Nervenprobe zum Saisonauftakt: Blaubären spannen Trainer und Fans auf die Folter

Der Volleyball-Bundesligist TSV Flacht schlägt ETV Hamburg zum Saisonauftakt in einer mentalen Achterbahnfahrt mit 3:1 - mal flattern die Nerven, mal halten sie wie Drahtseile.

Leonberger Zeitung vim 12.10.26 | Jürgen Kemmner


Was für ein Saisonstart - der war nichts für Menschen mit schwachen Nerven. „Eine Achterbahnfahrt ist nichts dagegen“, stöhnte ein Zuschauer nach 120 aufreibenden Spielminuten. Die Binder Blaubären TSV Flacht hatten sich schließlich und endlich in der mit 400 Fans nicht ganz ausverkauften Heckengäusporthalle mit 3:1 (25:22, 21:25, 26:24, 27:25) gegen die Norddeutschen durchgesetzt. „Wir haben gerade noch die Kurve gekriegt“, sagte Cheftrainer Manuel Hartmann erleichtert, „der Sieg ist super wichtig. Vor allem für den Kopf.“ Es war eine mentale wie spielerische Schleuderfahrt, die das Team um Kapitänin Frauke Skrabak (früher Neuhaus) hingelegt hatte. Starke Phasen wechselten sich mit Abschnitten ab, in denen die Flachter Frauen so weiche Knie hatten wie wie ein schlecht vorbereiteter Prüfling vor dem Latinum. Den Schlusspunkt setzte schließlich Neuzugang Anni Tändler, die den vierten Matchball verwandelte, nachden die Blaubären zuvor einen Satzball von Hamburg abgewehrt hatten. „Das freut mich sehr, dass ich den letzten Punkt machen konnte“, sagte die 19-Jährige, die von VCO Dresden gekommen war und am Samstag ihre erste Bundesliga-Partie bestritten hatte, „ich war vor dem Spiel sehr aufgeregt.“

Schwächen in Aufschlag und Annahme

Aufschlag und Annahme waren die Disziplinen, in denen die Blaubären nur bedingt überzeugten - insgesamt 18-mal landete der Ball nach der Spieleröffnung entweder im Netz oder im Aus. 18 Punkte, das sind fast ein kompletter Satz. „Aufschlag und Annahme sind Momente, in denen man nachdenken kann“, erläuterte Manuel Hartmann, „da haben wir die größten Schwächen gezeigt - wenn der Ball mal im Spiel war, haben wir bombig agiert.“ Es ist das Thema, das auch schon in der vergangenen Saison die Achillesferse beim TSV Flacht war: die mentale Stabilität, die Angst, Fehler zu machen, die den Körper lähmt. „Das bleibt unser Thema“, sagte der 39 Jahre alte Coach.

So war der erste Satz nach Startproblemen relativ sicher nach 28 Minuten unter Dach und Fach. Der zweite war dann aber wie ein Fotonegativ des ersten - nach stetigem Rückstand bis zum 20:20 zogen die Hamburgerinnen dann weg und gleichen zum 1:1 aus. Satz Nummer drei war dann die ultimative Nervenprobe für alle in der Halle. 19:24 für den ETV stand es, doch die Blaubären zeigten plötzlich eine unerwartete Nervenstärke: Sie wehrten fünf Satzbälle ab, Roxana Vogel agierte beim Aufschlag wie eine Superheldin, die nichts erschüttern kann - und am Ende stand es 26:24. „Roxy war super stabil“, lobte Hartmann, „und mutig. Sie setzte jeden Aufschlag genau ins Ziel, wo er hinkommen sollte.“ Und schließlich wurde Satz vier zum ultimativen Volleyball-Showdown, wie ihn selbst hochgelobte Film-Regisseure nicht besser umsetzen können. Die Blaubären führten bereits 19:15, Hamburg kam auf 21:20 heran - nachdem die TSV-Frauen drei Matchbälle zum Teil haarsträubend versemmelt hatten, gab es gar einen Satzball für Hamburg beim 24:25. Doch Zuspielerin Vogel und Mittelblockerin Tändler standen fest wie eine eins - nach dem Ausgleich und der Führung war es die 19-Jährige, die das 27:25 erzielte. „Ich war sehr zufrieden mit ihr bei ihrer Bundesliga-Premiere“, freute sich der Chefcoach.

Bereits am Dienstag (19 Uhr) steht die nächste Partie an, die Blaubären reisen zu Allianz MTV Stuttgart, am nächsten Sonntag (15 Uhr) ist der SSC Schwerin zu Gast im Heckengäu. „Da können wir als Außenseiter befreit aufspielen und haben keinen Druck“, sagte Hartmann.